Was gelernt vom IfP

Bisher habe ich ja viel gesehen und erfahren (war sogar schon im Bollywoodkino – wenig verstanden aber sehr viel Blut), jedoch wenig gearbeitet. Gestern konnte ich mich zum ersten Mal nützlich machen und meiner Aufgabe nachkommen, die mich auch in den nächsten Wochen noch erfüllen wird: Journalist sein. Ich soll Artikel über die Menschen schreiben, für die und mit denen das PVCHR arbeitet, damit die Geldgeber und alle anderen erfahren, was hier passiert. In Englisch natürlich. Gestern also war ich gemeinsam mit Upendra in einer Schule im Herzen des Stadt, an der nur Muslime unterrichtet werden. Die Muslime sind in Indien vielerorts ebenso verachtet wie die niederen Kasten. Die meisten Kinder der Schule stammen aus einer Weberfamilie, sind dementsprechend arm. Denn Weber gibt es in diesem Viertel 10.000sende, die meisten von ihnen verdienen am Tag 100 Rupie, umgerechnet drei Mark.

Es war eine krasse Erfahrung. Die Kinder waren völlig aufgedreht, während der Direktor uns durch die Klassenzimmer führte. Die Bilder drücken die Bedingungen dort glaub ich sehr gut aus, aber alle Kinder schienen groß amüsiert. Ich habe dann noch fünf der 18 Mädchen interviewen dürfen, die ein Stipendium durch das PVCHR erhalten. Ich hätte niemals so selbstbewusste Mädchen erwartet. Sie alle waren aber sehr gesprächig und haben den Wunsch, später Lehrer werden um etwas zu verändern. Sie wissen aber auch ganz genau, dass die meisten von ihnen letzendlich doch Weber werden. So wie ihre Eltern, ihre ältere Geschwister, die Großeltern und alles was davor kam. Im Gegensatz zu ihren Eltern können sie jetzt aber schreiben, gut rechnen und sogar ein paar Sätze Englisch. Möglicherweise ein erster Schritt.

Wir haben auch den Vater einer der Mädchen besucht und mit ihm gesprochen. Stets verfolgt von einer Traube kichernder und interessierter Inder. Seltsame Situation das ganze.

Zum Schluss noch was lustiges: Hab heut den Bruder von Dr. Lenin kennen gelernt. Sein Name: Ché Guevara (der Vater ist überzeugter Kommunist und kosequent).

Für alle Interessierten, den Artikel gibts hier:

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. aaskyer
    Okt 28, 2010 @ 15:47:20

    ob es auch einen gregor gisy in der familie gibt?

    Antwort

  2. Karlos Kaká geb. Meier
    Okt 28, 2010 @ 16:50:48

    hey stefan. liest sich wirklich gut alles was du schreibst. und ich hab sogar desöfteren ehrlich lachen müssen. ich bleib hier am ball und hoff dass du dort in indien kein durchfall kriegst.

    btw: der biologe sagt: streunende katzen und hunde in indien sind fast zu 100% alle mit tollwut infiziert. deshalb: finger weg von katzenbabies.

    ich glaub n reservoir fuer die pest gibts in nagern auch.

    klingt voll klugscheisserhaft und so hab ich mich beim schreiben auch gefühlt

    Antwort

  3. flora
    Okt 28, 2010 @ 17:44:50

    meine bisherigen favoriten deiner reise: deine berichte und die bilder (- machen neidisch), 10.ooosende und 3 mark (machen nachdenklich; trotzdem vergnügt – der stil …)
    und vielleicht haben die jungs ja noch ne tochter, fräulein rosa?

    Antwort

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