Einmal Ganges

Heute hatte ich Lust an den Ganges zu gehen, deshalb bin ich hin. Zuvor wollte ich aber eine Sprachschule aufsuchen, um meine Hindifähigkeiten zu verbessern. Ich hatte den Namen und den ungefähren Ort einer solchen Schule (dank Lonely Planet). Die hatte aber leider zu und dann stand ich da. Aber nicht lange, denn in Varanasi steht man nie lange einfach da, sofort ist jemand zur Stelle, um nach deinem Wohlbefinden oder Namen zu fragen. Diesmal ein Mann, der eigentlich am Flughafen arbeitet. Er schien nett und hatte eine Tüte mit Süßigkeiten dabei, deshalb hab ich mich mit ihm unterhalten und wir sind Richtung Ganges gelaufen. Unterwegs kreuzte uns ein Leichenzug: Eine Gruppe Männer die singend eine Leiche richtung Verbrennungsghat am Gangesufer trug. Diesem Zug schlossen wir uns an.

Unter der Folie weiter vorne liegt die Leiche

Unter der Folie weiter vorne liegt die Leiche

Am Ufer angekommen hat sich der Mann mit den Süßigkeiten dann verabschiedet und noch um 2 Rupee gebeten, als Glücksbringer wie er sagte, die hab ich ihm gegeben. Als ich dann da stand am Verbrennungghat war gleich der nächste interessierte Mensch zur Stelle (ob die sich kannten?) und er erklärte mir, dass er hier am Verbrennungsghat arbeite und dann fing er an mir stolz alle wichtigen Details einer solchen Menschenverbrennung zu erklären: Ein Mensch braucht 200-300 Kilo Holz um sich binnen drei Stunden vollständig in Asche zu wandeln. Ganz ohne Petrol. Verbrannt werden alle außer Kinder bis 10 Jahren, Sadus (Heilige), Tiere, Leprakranke, Schwangere und Menschen die von einer Copra gebissen wurden. Weil diese Leute nach den alten Hindi-Regeln nicht verbrannt werden dürfen, werden sie nach ihrem Tod an einen Stein gebunden und in den Ganges geworfen. Dem Verbennungsprozedere zuzusehen ist seltsam. Es riecht sehr süß, es herrscht hecktischer Betrieb, eher wie auf einem Markt, gleichzeitig aber eine bedachte Konzentriertheit. Danach wollte er Geld, weil er mir das alles erklärt hatte, außerdem kannte er noch jemand der mir Hasch verkaufen kann. Ich hab ihm 20 Rupie gegeben und bin gegangen.

Dann eine Bootsfahrt. Der Bootsfahrer war nett und er hatte auch sein kleines Kind dabei. Doch auch er nutzte die Gelegenheit, um mir während der Intimität der Bootsfahrt Hasch anzubieten. Ich lehnte hartnäckig ab, machte aber dafür aus der Ferne dieses Bild der Verbrennungsstelle. Außer der Nähe ist es ja verboten, aber vom Ganges aus sei es erlaubt, sagte der Bootsfahrer.

Dann bin ich noch etwas weiter den Ganges entlangspaziert. Ständig wollen Leute einem was zeigen oder verkaufen, es ist tatsächlich etwas lästig. Aber ich versuche dennoch offen zu bleiben und es lohnt sich. Ein Inder Mitte zwanzig sprach mich an, sein Name Milan, und wir unterhielten uns. Er sagte er studiere Design und komme eigentlich aus Nepal  (weiß nicht ob das stimmt). Dann sind wir an einer Bar vorbeigekommen in der ein Konzert in klassischer Indischer Musik gegeben wurde. Gespielt wurde Sitar und Tablas. Sehr angenehme Atmosphäre, wir lagen auf dem Boden und lauschten den Klängen mit dem Herzen, nicht mit dem Ohr – darauf wies uns der Sitarspieler jedenfalls mehrmals hin.

Video:

Danach bin ich dann Heim, Milan wollte mir letztendlich auch nichts verkaufen (außer ein bisschen Hasch, doch er fragte sehr vorsichtig) das fand ich fast sympatisch.

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Axel
    Nov 06, 2010 @ 19:58:52

    Superidee mit dem Video einbinden, da wird’s in Mainz gleich ganz indisch. Viele Grüße!

    Antwort

  2. christina
    Nov 08, 2010 @ 17:41:34

    tolle bilder, tolle texte und noch toller ist es als leser teilhaben zu dürfen! weiter so! freue mich auf mehr!

    Antwort

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