Die Zeit im Norden

Bin nun wieder zurück in Varanasi, nachdem ich die letzten eineinhalb Wochen in Zugabteilen und Hotelzimmern genächtigt habe. Sté und ich haben noch ein paar schöne Tage in Lucknow verbracht bis  sich unsere Wege schließlich trennten und sie Richtung Westen weiter fuhr und ich in den Norden, wo ich mich mit Upendra in der Stadt Haldwani getroffen habe. Während Lucknow sehr muslimisch geprägt war und von daher entsprechend orientalisch daher kam, war Haldwani sehr gelassen und erinnerte schon stark an Bilder die ich von Nepal im Kopf hatte (nicht dass ich da jemals war. Noch nicht).

Also eine Woche Upendra und Stephan und viel zu tun, da das PVCHR auch hier Projekte betreibt und noch mehr zu sehen, denn die Landschaft ist der Hammer. Am besten dargestellt anhand viel Bildmaterial.

Am beeindruckensten war, neben all den anderen auch sehr beeindruckenden Bildern dieser Tage, der Eindruck, den der Besuch dieses kleinen Bergdorfes dessen Namen ich nicht mehr weiß bei mir reingedrückt hat. Um  zu diesem Bergdorf zu gelangen, mussten wir gut ne Stunde Motorrikscha durch Dörfer und Wald fahren – als die Straße dann endete, gings zu Fuß rund acht Kilometer den Berg hoch, bis wir irgendwann das Dorf erreichten. Es gab dann ein Meeting zu dem 10 Bewohner erschienen, um über ihre Probleme zu sprechen und was in den letzten Monaten so passiert sei: Die Bewohner beklagten, dass die Regierung nichts für sie tue, im Gegenteil, die Beamten von der Forstbehörde würden sie drangsalieren und bedrohen. Immer mehr Land würde ihnen weggenommen und als Schutzgebiet erklärt, das Problem dabei: die Bewohner bekommen als Entschädigung kein neues Land zugeschrieben. Holen sie sich doch mal Holz aus Gebiet, dass ihnen nicht gehört, wird’s extrem teuer (6000 Rupee) oder blutig. Die Förster sind hier üble Gesellen. Die Menschen leben von der Landwirtschaft, jeden morgen bringen die Leute ihre Waren per Esel runter ins Tal, abends geht’s die Strecke dann wieder hoch.

Das Ursprüngliche dieses Ortes und die Landschaft waren so wunderschön, es fiel mir schwer zu begreifen, dass es den Menschen hier eigentlich nicht so gut geht. Der Bürgermeister des Ortes hat uns dann zu sich nach Hause zum Essen eingeladen. Die Großmutter des Hauses hielt, als sie mich begrüßte, lange Zeit meinen Kopf fest in ihren Händen die nur aus Falten zu bestehen schienen und sie begann zu weinen.

Buergermeister mit lustiger Zigarette

Buergermeister mit lustiger Zigarette

Anscheinend vor Freude, wie mir versichert wurde, da ich wohl der erste Ausländer gewesen bin, der dieses Dorf besucht hat. Dann gabs extrem gutes Essen mit Bohnen, Nüssen, Reis und mir völlig unbekannten Gewürzen. Und anschließend wurde noch selbst kultiviertes Hasch preisgeboten. Sie nennen es Schwarzes Gold.

Bis wir dann wirklich gehen konnten war es schon fast dunkel, weil uns jeder noch sein Haus zeigen und Chai und Zuckerrohrspeißen anbieten wollte. Wahnsinnig schöner Ort und besondere Menschen.

Tags zuvor hab ich den Himalaya von einem Freefalltower aus gesehen. Haben die einfach auf den Berg oben drauf son Teil gebaut:

http://www.youtube.com/watch?v=Bv6pLuAj_l8

Weihnachten war dieses Jahr nicht. Obgleich es mich in ne katholische Kirche reingezogen hat, aber es war eben nicht das gleiche. Vielleicht lags daran, dass es nicht nach Glühwein duftete, vielleicht aber auch an den Luftballons und den Ventilatoren an der Decke und der Popweihnachtsmusik vom Band…

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Ste
    Dez 30, 2010 @ 13:24:35

    Ich mag das Bild mit dem Wasserfall.

    Es ist so wunderschoen, wie der Ganges hier so gruen und blau ist.
    Und ich habe auch Berge gesehen. Morgen geht es nach Rishikesh, mit 2 nette Australier Silvester feiern.

    Antwort

  2. Lennart
    Jan 05, 2011 @ 08:35:26

    Mein lieber Stephan,

    ich hab jetzt endlich die Adresse zu deinem Blog wieder gefunden! 🙂

    Liest sich alles sehr interessant und spannend in Indien. Freut mich, dass du da so viel erlebst!

    Liebe Grüße, auch an Sté (Hallo, Sté!) und bis bald!

    lenny

    Antwort

  3. Christina
    Jan 11, 2011 @ 21:35:07

    Hört sich ja nach ner tollen Zeit, tollen Menschen und toller Landschaft an!!!
    Bekomme bei deinen super eindrucksvollen Fotos richtig Lust selbst los zu reisen : )

    Antwort

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